Die Halbwertszeit von Fachwissen im Kontext von Alpha- und Beta-Fehler in Auswahlprozessen

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Wie kann der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Personalauswahl unterstützen?

In Zeiten des demographischen Wandels und eines zunehmenden Fachkräftemangels werden wissenschaftlich fundierte und effektive Auswahlverfahren immer wichtiger: Unternehmen können sich bei immer geringer werdenden Bewerberzahlen Fehler kaum noch leisten, denn vorzeitig wieder ausscheidende Mitarbeitende können immer schwerer ersetzt werden. Gleichzeitig ist die Basis, auf der die Auswahl stattfinden kann, häufig nur sehr dünn – manche Unternehmen finden sogar bei bestimmten Positionen gar keine passenden Bewerber mehr.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt hier in der Reduktion sowohl des sogenannten Alpha- wie auch des Beta-Fehlers. Der Alpha-Fehler passiert, wenn nicht optimal zum Job, zum Team und zum Unternehmen passende Bewerberinnen und Bewerber eingestellt werden, die dann vorzeitig wieder gehen müssen. Um den Alpha-Fehler zu minimieren, müssen valide Anforderungsprofile erstellt und die Kriterien auf wissenschaftlich fundierte Weise gemessen werden. Auch Künstliche Intelligenz (KI) kann im Rahmen strenger ethischer Rahmenbedingungen zunehmend erfolgreich als Unterstützung von menschlichen Experten eingesetzt werden.

Oft viel zu wenig beachtet wird aber der sog. Beta-Fehler. Dieser passiert, wenn eigentlich passende Bewerberinnen und Bewerber im Verlauf des Auswahlprozesses abgewiesen werden. Weil dieser Fehler bei zunehmendem Fachkräftemangel besonders gravierend ist, wollen wir ihn einleitend besonders fokussieren. Auch hier spielen moderne Technologien aus der KI eine zunehmend wichtige Rolle, diesen Fehler zu reduzieren. Wichtiger ist aber noch, dass wir uns konzeptionell klarmachen müssen, was für Kriterien wir abfragen und welche Kriterien, wir nicht abfragen sollten. Ein besonders treffendes Beispiel ist hierbei die Halbwertszeit von Fachwissen. Dauerte es im Jahr 1800 noch gut hundert Jahre, bis sich das Wissen verdoppelte, geschieht dies mittlerweile alle vier Jahre. Gleichzeitig verringert sich die sogenannte „Halbwertzeit des Wissens“, also die Zeit, die es braucht, bis sich der anfängliche Wert um die Hälfte reduziert hat. Reichte einem früher das Wissen aus der Ausbildung für mehrere Jahrzehnte, entwickelt sich die Welt heute viel zu rasant.

Weil die Halbwertzeit des Wissens immer weiter sinkt, ist die Relevanz von Fachwissen zur Reduktion der Fehler bei der Personalauswahl nur sehr gering, egal ob dieses im Interview oder durch Tests abgefragt wird. Durch den Einsatz von KI kann der Bewerberpool vergrößert werden, ja, manchmal können nur so überhaupt passende Bewerber gefunden werden!

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Referent

Prof. Dr. David Scheffer hat seit Juli 2011 eine Professur für Wirtschaftspsychologie, Personalmanagement und Eignungsdiagnostik an der NORDAKADEMIE. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind die Diagnostik von Persönlichkeitsmerkmalen, impliziten Motiven und beruflichen Kompetenzen sowie die passgenaue Zielgruppen-Kommunikation. Er hat viele Jahre im Bereich der Beratung rund um Fragen der Personalauswahl und -entwicklung sowie Zielgruppen-Kommunikation gearbeitet, u.a. als Wissenschaftlicher Leiter verschiedener Beratungsunternehmen. An der NORDAKADEMIE leitet er das CAPTA Institut (Computer Aided Psychometric Text Analysis), an dem er mit mehreren Doktoranden die Möglichkeiten von maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz für die optimierte Personalauswahl und Kommunikation

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Referent

Dipl.-Wirtschaftsing. (FH) Christoph Fülscher begann seine berufliche Karriere nach einer kfm. Ausbildung und einem Studium an der NORDAKADEMIE 1999 als IT-Abteilungsleiter der Hermes-Logistik Gruppe, wirkte dann in vielfältigen Führungspositionen bei der Hörgeräte-Kette Amplifon, der Schuhhandelskette Ludwig Görtz und der Unternehmensberatung Solvie. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war das Thema Industrie 4.0, die Digitalisierung von Unternehmensprozessen und Geschäftsmodellen. Seit November 2016 war er als Leiter IT und Dozent für Personalmanagement, IT-Management sowie Digital Business an der NORDAKADEMIE Hochschule der Wirtschaft tätig. Fülscher ist seit April 2018 in den Vorstand der NORDAKADEMIE gemeinnützigen AG berufen und zudem seit Oktober 2020 Kanzler der Hochschule.

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GUNTHER WENDT
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